50 Jahre Löschzug-Gefahrgut im Kreis Steinburg – ein halbes Jahrhundert Kompetenz, Engagement und Entwicklung
V. links: Timo Plath, Frank Raether und der amtierende Leiter LZ-G Björn Lüdtke vor dem Zeitstrahl "50 Jahre LZ-G" // Foto: Julian Stöver
14.01.2026: Sicherheit beginnt mit Engagement – und das seit fünf Jahrzehnten. Wenn es um den Schutz von Menschen, Umwelt und Infrastruktur geht, sind spezialisierte Einsatzkräfte unverzichtbar. Der Löschzug-Gefahrgut (LZ-G) des Kreises Steinburg hat sich in 50 Jahren von einer kleinen ABC-Einheit zu einer hochprofessionellen Spezialeinheit entwickelt, die nicht nur bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen, sondern auch im Zivil- und Katastrophenschutz unverzichtbar ist. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums lohnt ein Blick zurück auf die Geschichte, die Entwicklung und die Menschen, die hinter diesem besonderen Ehrenamt stehen.
Im September 2025 blickt der Löschzug-Gefahrgut (LZ-G) des Kreises Steinburg auf sein 50-jähriges Bestehen zurück. Seit seiner Gründung am 4. September 1975 hat sich die spezialisierte Einheit kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Gefahrenabwehr sowie des Zivil- und Katastrophenschutzes im Kreis Steinburg und darüber hinaus.
Die Geschichte des heutigen LZ-G begann mit der Aufstellung eines ABC-Zuges, dessen Gründung durch den damaligen Kreisbrandmeister Claus tho Seeth erklärt wurde. Nach Stärke- und Ausstattungsnachweis (STAN) aufgebaut, umfasste die Einheit zunächst 42 Einsatzkräfte mit einem Durchschnittsalter von nur 25 Jahren. Die damals noch unzureichend ausgebauten Verkehrsverbindungen stellten die Mitglieder vor besondere Herausforderungen, da Anfahrten zu Diensten durch das gesamte Kreisgebiet mit erheblichem Zeitaufwand verbunden waren.
Ein wichtiger Meilenstein folgte bereits Anfang 1976: Am 8. Januar ging das erste Dekontaminationsmehrzweckfahrzeug (DMF) für Zwecke des Zivilschutzes in Dienst. Mit Warmwasseraufbereitung für ein Duschzelt und einer Streuvorrichtung zur Bekämpfung von Kampfstoffen ausgestattet, blieb das Fahrzeug über 30 Jahre im Einsatz. Im Jahr 2009 erhielt der Kreis Steinburg mit dem Dekon LKW P ein Nachfolgefahrzeug des Bundes. Mit diesem Fahrzeug steht der LZ-G seither auch bei Schadenslagen im gesamten Bundesgebiet zur Verfügung.
Die Nähe zu den Kernkraftwerken Brokdorf und Brunsbüttel prägte den Löschzug über viele Jahre maßgeblich. Spezielle Aufgaben, wie das Stellen von Strahlenspürtrupps bei kerntechnischen Unfällen, führten zu einer gezielten Erweiterung der Ausstattung. Bereits der damalige ABC-Zug verfügte über vier Reaktorerkundungstruppfahrzeuge, die auch heute noch Teil des Fuhrparks sind. Die vier Reaktorerkundungstruppkraftfahrzeuge wurden 2011, 2013 und 2021 durch vier neue Fahrzeuge ersetzt (Reaktorerkundungstruppkraftwagen/ ReaErkTrKW).
Auch die Bezeichnung der Einheit spiegelt den Wandel der Aufgaben wieder: Vom ursprünglichen ABC-Zug über den AC-Zug Anfang der 1990er Jahre bis hin zur Einführung der landesweit gültigen Bezeichnung „Löschzug-Gefahrgut (LZ-G)“ Mitte der 1990er Jahre durch das Brandschutzgesetz Schleswig-Holstein. Der sogenannte LZ-G-Erlass regelte im Anschluss Ausstattung und Einsatzstärke und bildet – in aktualisierter Form – bis heute die Grundlage für alle LZ-G im Land.
Die besonderen Aufgaben des LZ-G erfordern eine intensive und spezialisierte Ausbildung. Neben dem allgemeinen Feuerwehrwissen werden die Einsatzkräfte im Umgang mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren geschult. Allein die Grundausbildung umfasst 70 Unterrichtsstunden, ergänzt durch weiterführende Spezialisierungslehrgänge, etwa im Bereich der Dekontamination.
Während der ABC-Zug ursprünglich dem Zivilschutz zugeordnet war, ist der LZ-G heute vor allem in der täglichen Gefahrenabwehr tätig. Im Durchschnitt kommt es zu rund 18 Alarmierungen pro Jahr, bei denen häufig bereits Teileinheiten oder Fachberatungen ausreichen. Gleichzeitig nimmt der LZ-G weiterhin Aufgaben im Zivil- und Katastrophenschutz wahr und unterstützt Bund und Kreis bei Großschadenslagen.
Ein moderner Fuhrpark und zeitgemäße Unterbringung unterstreichen die Leistungsfähigkeit des Löschzuges. Der Fahrzeugbestand umfasst aktuell 14 Fahrzeuge, 3,3 Abrollbehälter und zwei Anhänger mit einem Durchschnittsalter von 9,8 Jahren.
Besonders hervorzuheben ist ein Abrollbehälter zur Dekontamination von Verletzten, der als Kooperationsprojekt gemeinsam mit den Kreisen Dithmarschen und Pinneberg betrieben wird. Mit dieser Fähigkeit nehmen die drei Löschzüge landesweit eine Vorreiterrolle ein. Der Umzug in neue Unterkünfte – zunächst in die Feuerwehrtechnische Zentrale und später in das Katastrophenschutzzentrum Münsterdorf – verbesserte die Einsatzbereitschaft zusätzlich. Eine dezentrale Stationierung einzelner Fahrzeuge verkürzt zudem die Eintreffzeiten und stärkt die personelle Basis in der Fläche.
Heute engagieren sich rund 70 Einsatzkräfte im LZ-G des Kreises Steinburg. Damit liegt die Einheit noch unter der im Erlass vorgesehenen Stärke von 96 Kräften. Kreisverwaltung, Kreisfeuerwehrverband und die Leitung des LZ-G arbeiten daher gemeinsam an Lösungen, um auch künftig ausreichend qualifizierte Einsatzkräfte für diese anspruchsvolle Aufgabe zu gewinnen.
„Der Löschzug-Gefahrgut ist ein herausragendes Beispiel für Einsatzbereitschaft, Zusammenhalt und stetige Weiterentwicklung. In den vergangenen fünf Jahrzehnten haben die Mitglieder ihre Expertise und ihr Engagement immer wieder unter Beweis gestellt. Wir sind dankbar für jede einzelne Einsatzkraft und hoffen, dass auch in Zukunft viele neue Mitglieder diese wertvolle Arbeit fortsetzen und gemeinsam mit dem LZ-G die Sicherheit im Kreis Steinburg weiter stärken.“, so Kreispräsident Peter Labendowicz.
