25 Jahre deutsch-polnische Partnerschaft – Freundschaft, die Grenzen überwindet
Ein Wochenende voller Begegnungen, Erinnerungen und gemeinsamer Zukunftsvisionen: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der deutsch-polnischen Partnerschaft zwischen dem Kreis Steinburg und dem Kreis Elbing/Powiat Elbląski war die Delegation aus Polen zu Gast im Kreis Steinburg. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die Erfolge der vergangenen 25 Jahre, sondern vor allem die Menschen, die diese besondere Verbindung seit einem Vierteljahrhundert mit Leben füllen.
Am 14. September 2001 wurde das Band der Freundschaft zwischen dem Kreis Steinburg und dem Kreis Elbing geknüpft. Seit nunmehr 25 Jahren steht die Partnerschaft für Vertrauen, gegenseitige Wertschätzung und eine Freundschaft, die über viele Jahre gewachsen ist.
Zahlreiche Begegnungen und gemeinsame Initiativen haben die Verbindung beider Regionen seither geprägt. In den Bereichen Bildung und Jugend, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik wurde die Partnerschaft immer wieder mit Leben gefüllt. Aus der ursprünglichen Vereinbarung ist so über die Jahre eine lebendige Verbindung entstanden, die Menschen aus beiden Regionen zusammengebracht und Gemeinschaft geschaffen hat.
Mit dem 25-jährigen Jubiläum richtet sich der Blick deshalb nicht nur zurück, sondern ebenso nach vorn. Beide Partner bekräftigen ihre Vereinbarung und wollen den erfolgreichen gemeinsamen Weg mit neuen Ideen und Visionen fortsetzen. Bestehende Beziehungen sollen gepflegt und gestärkt, schulische Austauschmöglichkeiten und Begegnungen weiter vorangebracht sowie Angebote für Kinder und Jugendliche ermöglicht werden. Auch neue Projekte für Begegnungen zwischen Bürgerinnen und Bürgern sollen entstehen.
Polnische Delegation zu Gast im Kreis Steinburg
Das Jubiläum bot den passenden Anlass, die langjährige Freundschaft gemeinsam zu feiern. Vom 10. bis 14. September verbrachten die polnischen Vertreterinnen und Vertreter mehrere Tage im Kreis Steinburg. Ein abwechslungsreiches Programm verband Kultur und Geschichte mit persönlichen Begegnungen und dem gemeinsamen Rückblick auf 25 Jahre Partnerschaft.
Bereits am Freitag, 11. September, stand neben Sightseeing ein Besuch des Museums betont in Kellinghusen auf dem Programm. Dort erhielten die Gäste unter anderem Einblicke in die aktuelle Ausstellung „Auf der Suche nach dem verlorenen Klang“. Historische Tasteninstrumente aus drei Jahrhunderten aus der Sammlung von Eric Feller stehen dabei im Mittelpunkt.
Museumsleiter Dr. Jan-David Mentzel führte gemeinsam mit Eric Feller durch die Ausstellung und vermittelte den Gästen Wissenswertes zu den Instrumenten und ihrer Geschichte. Die Ausstellung und die fachkundige Führung begeisterten die Besucherinnen und Besucher aus Polen und bildeten einen gelungenen Auftakt des Jubiläumswochenendes.
Festakt zum 25-jährigen Bestehen
Der Höhepunkt des Besuchs folgte am Samstag, 12. September: Mit einer offiziellen Feier wurde das 25-jährige Bestehen der deutsch-polnischen Partnerschaft gewürdigt. Zahlreiche Gäste aus unterschiedlichen Bereichen waren eingeladen, um gemeinsam auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und zugleich den Blick auf die Zukunft der Verbindung zu richten.
Zu den Ehrengästen gehörte die polnische Delegation unter der Führung von Landrat Maciej Romanowski und Kreispräsidentin Genowefa Kwoczek sowie weiteren Mitgliedern des polnischen Kreisrats, Schriftsteller Arno Surminski sowie Konsulin Marzena Szczypułkowska-Horváth aus Hamburg.
Aus dem Kreis Steinburg waren ebenfalls zahlreiche Gäste sowie langjährige Freunde und Wegbegleiter der deutsch-polnischen Partnerschaft vertreten. Landrat Claudius Teske eröffnete die Feierlichkeit:
„Ganz besonders herzlich heiße ich unsere Gäste willkommen, die aus Polen zu uns angereist sind. Es ist uns eine große Freude und Ehre, dass Sie diesen besonderen Tag gemeinsam mit uns verbringen.
Denn heute feiern wir nicht einfach nur ein Jubiläum. Wir feiern 25 Jahre Partnerschaft, 25 Jahre Begegnung und 25 Jahre gelebte deutsch-polnische Freundschaft.“
„Über all die Jahre hinweg sind Menschen aus unseren beiden Kreisen zusammengekommen – in der Bildung und Jugendarbeit, in der Verwaltung und Kommunalpolitik, durch Vereine und zahlreiche weitere gemeinsame Aktivitäten. Aus Begegnungen ist Vertrautheit entstanden, aus Zusammenarbeit Vertrauen und aus einer kommunalen Verbindung eine Freundschaft, die Grenzen überwindet.“
Auch Kreispräsident Peter Labendowicz, Schirmherr der Vereinigung im Kreis Steinburg, eröffnete die Feierlichkeit mit persönlichen Worten an die Gäste und ging dabei auf seine besondere Beziehung zu Polen ein:
„Auch mir ist es eine große Ehre und besondere Freude, Sie heute hier im Kreis Steinburg, im Sophie-Scholl-Gymnasium zu diesem ganz besonderen Anlass begrüßen zu dürfen. Die Pflege der Partnerschaft zwischen den Kreisen Elbing in Polen und unserem Kreis liegt mir sehr am Herzen sowohl als Kreispräsident als auch ganz persönlich.“
„Vor 25 Jahren wagten unsere Gründerinnen und Gründer etwas, das damals noch nicht selbstverständlich war; und ich spreche jetzt einmal von uns – vom „wir“. Wir reichten uns über die Oder hinweg die Hand und besiegelten eine offizielle Kreispartnerschaft. Heute blicken wir zurück auf eine der erfolgreichsten und herzlichsten Kommunalpartnerschaften, die Schleswig-Holstein mit Polen verbindet.
Eine Silberhochzeit – das ist ein Grund zum Feiern.
Der Sinn und Zweck dieses Jubiläums gehen weit über das bloße Feiern hinaus, denn im Kern dient es dazu, Zeit erfahrbar zu machen und das Wir-Gefühl herauszustellen.“
Nach den Eröffnungsreden sorgte der SSG-Chor unter der Leitung von Sandra Buschmann für ein vielseitiges Rahmenprogramm. Mit verschiedenen musikalischen Stücken begleitete der Chor die Feierlichkeiten und begeisterte die Gäste mit seinen Darbietungen.
Auch der polnische Landrat Maciej Romanowski wandte sich mit einer bewegenden Rede an die Anwesenden und brachte dabei seine tiefe Verbundenheit mit Deutschland zum Ausdruck.
„Die vergangenen 25 Jahre seit der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung im Jahr 2001 bilden ein wunderschönes Fundament unserer gemeinsamen Geschichte.
Wir sind stolz darauf, dass aus dem offiziellen Dokument vor einem Vierteljahrhundert eine authentische, lebendige und dauerhafte Freundschaft gewachsen ist, die die Einwohner des Landkreises Elbląg und des Kreises Steinburg erfolgreich miteinander verbindet.
Unsere Partnerschaft hat bewiesen, dass wahre Verständigung durch persönliche Begegnungen, Offenheit und gegenseitigen Respekt aufgebaut wird. Gemeinsame Initiativen, der Jugendaustausch sowie der Austausch von kommunalen und kulturellen Erfahrungen haben ein Netzwerk tiefer, menschlicher Beziehungen geschaffen. Diese fügen sich perfekt in die Idee eines vereinten, solidarischen Europas ein.“
Eine besondere Rolle in der langjährigen Verbindung zwischen beiden Kreisen spielt auch Harry Strößner, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Partnerschaft zwischen dem Kreis Steinburg und dem Kreis Elbing/Powiat Elbląski e. V. Seit Beginn engagiert er sich für die deutsch-polnische Partnerschaft und setzt sich mit großem persönlichem Einsatz dafür ein, die Verbindung auch für die kommenden Jahre zu erhalten und weiterzuentwickeln. Herr Strößner gab Einblicke in die Entstehungsgeschichte sowie persönlicher Erfahrungen aus den letzten Jahren:
„Wenn ich auf die 25 Jahre dieser Kreispartnerschaft zurückblicke, fallen mir als Erstes folgende Worte ein: Begegnen, Kennenlernen, Verstehen.
Offiziell wurde die Partnerschaft zwischen dem Kreis Steinburg und dem Kreis Elbląg/Powiat Elbląski am 14. Sept. 2001 mit den feierlichen Unterschriften unter die Partnerschaftsurkunden durch die Landräte und Vorsitzenden der beiden Kreistage begründet. Entsprechende Beschlüsse der jeweiligen Kreistage waren vorausgegangen. An dem Festakt in einem Veranstaltungssaal in Elbing hatten zahlreiche Abgeordnete beider Kreise teilgenommen.
Das Datum dieses Festaktes wird für mich dauerhaft verbunden sein mit dem Geschehen, das 3 Tage zuvor in New York passierte. Die Attentate durch Flugzeuge, bei denen 3 000 Menschen getötet wurden. Erlebbar wurde das auch für uns, weil der weitgehend offene Grenzverkehr durch starke Kontrollen zwischen Deutschland und Polen bei unserer Ein- und Ausreise deutlich gestört worden war. Von Beginn der Partnerschaft an bildeten Austausche zwischen Schulen und Jugendorganisationen, Sportgruppen, Jugendfeuerwehren und kommunalen Jugend- und Kultureinrichtungen die Schwerpunkte gemäß den Zielsetzungen im Partnerschaftsvertrag. Diese direkten Kontakte vermittelten den jungen Menschen als auch ihren Familien bei der Begegnung zuhause und jeweils im Partnerkreis Erfahrungen von den Lebensrealitäten in beiden Ländern mit der Erkenntnis, dass manches anders und vieles ähnlich ist.
Und es erwies sich durch die abwechslungsreiche und jugendgemäße Gestaltung der Maßnahmen, dass auch die Emotionen der Beteiligten erreicht wurden.
Abschied nehmen fiel schwer! Es gab daneben weitere Aktivitäten, zum Beispiel den Austausch auf der institutionellen Ebene der Verwaltung und Selbstverwaltung beider Kreise.
Landräte und Vertreter der Kreistage legten während regelmäßiger gegenseitiger Besuche die Schwerpunkte fest. Bei zwei Begegnungen präsentierten jeweils ca. 30 Fachkräfte ausgewählter Bereiche aus beiden Kreisen der Daseinsvorsorge und Lebensweltgestaltung wie z. B. Feuerwehr, Polizei, Wasserschutz, Soziales, Schulbildung, Tourismus während zweier Fachtagungen und tauschten sich über ihre Aufgaben aus unter dem Motto „Vom Besseren lernen.“
Im Jahre 2014 verabredeten der vormalige Kreispräsident Fiete Tiemann und ich, der ehemalige Jugendamtsleiter im Kreis Steinburg, einen Förderverein für die Förderung der Partnerschaft zu gründen. Der Partnerschaftsverein bedankt sich insbesondere für die dauerhafte Unterstützung des Kreises Steinburg für die praktische Arbeit auch durch Fördermittel. Der Landrat mit seiner Verwaltung und der Kreispräsident haben am Erfolg der Arbeit des Partnerschaftsvereins einen großen Anteil.“
Partnerschaft für die Zukunft bekräftigt
Einen besonderen Moment des Festaktes bildete die Unterzeichnung des neu gefassten Partnerschaftsvertrags zwischen den beiden Kreisen. Damit wurde nicht nur die bisherige Zusammenarbeit gewürdigt, sondern zugleich der gemeinsame Wille bekräftigt, die Partnerschaft auch in Zukunft aktiv zu gestalten und weiter auszubauen. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden zudem Präsente und persönliche Aufmerksamkeiten ausgetauscht.
Einen weiteren kulturellen Höhepunkt bot die Vernissage des Künstlers und Malers Andrzej Milik. Der Goldschmied aus Itzehoe widmet sich neben seiner beruflichen Tätigkeit der Kunst und verarbeitet in seinen Bildern Geschichten und Themen des Weltgeschehens.
Begleitet wurde die Präsentation durch Museumsleiterin Esther Wrobbel. Sie unterstützte Andrzej Milik bei der Darstellung seiner Werke, die im Rahmen der Jubiläumsfeier erstmals und exklusiv zu Ehren der polnischen Gäste gezeigt wurden.
So spannte der Festakt einen Bogen von der Entstehungsgeschichte der Partnerschaft über die zahlreichen gemeinsamen Erlebnisse und Begegnungen der vergangenen 25 Jahre bis hin zu den Wünschen und Visionen für ihre Zukunft.
Geschichte zum Abschluss des Jubiläumswochenendes
Auch am Sonntag, 13. September, stand noch einmal die gemeinsame Begegnung im Mittelpunkt. Das Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe öffnete seine Türen. Unter der Leitung von Museumsleiterin Esther Wrobbel tauchte die Delegation aus Polen in die Geschichte Heinrich Rantzaus ein. Die Ausstellung „Zwischen Macht und Gelehrsamkeit“, die noch bis zum 25. Oktober 2026 zu sehen ist, widmet sich dem Humanisten Heinrich Rantzau. Zahlreiche historische Stücke vermitteln einen vielfältigen Eindruck von seinem Leben, seinem Wirken und der damaligen Zeit.
Damit endete ein ereignisreiches Wochenende, das Kultur, Geschichte und persönliche Begegnungen miteinander verband und zugleich deutlich machte, was die Partnerschaft zwischen dem Kreis Steinburg und dem Kreis Elbing/Powiat Elbląski seit 25 Jahren auszeichnet: Menschen, die über Ländergrenzen hinweg miteinander im Austausch stehen und die Verbindung durch ihr Engagement immer wieder neu mit Leben füllen.
Das Jubiläum war dabei nicht nur ein Rückblick auf das gemeinsam Erreichte. Es war zugleich ein Zeichen dafür, dass räumliche Distanz kein Hindernis für eine gewachsene Freundschaft sein muss. Das Engagement beider Kreise und der zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer hat dazu beigetragen, dass aus einer Vereinbarung eine beständige Verbindung entstanden ist, die auch nach einem Vierteljahrhundert weiterentwickelt werden soll.
Und die nächste Begegnung ist bereits im Blick: Für das Jahr 2027 ist ein erneuter Besuch geplant – dann führt der Weg wieder nach Polen.
