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Kreis Steinburg: Kreishausneubau in Itzehoe macht Fortschritte – trotz Hindernisse

© Kreis Steinburg

„Also, Parken ist schlecht hier heute!“ bemerkt Tobias Rückerl, Bauausschussvorsitzender im Kreis Steinburg. „So geht Baustelle – endlich mal fünfzig plus X Bauleute am Start...!“ freut sich Projektleiter Johannes Lindner mit Blick auf die zugeparkte Baustelle. Rückerl ist zur Stippvisite auf die Baustelle zum Kreishausneubau gekommen. Denn die Arbeiten zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts nehmen unverkennbar Fahrt auf.

Aktuell herrscht große Betriebsamkeit auf allen vier Ebenen des Neubaus. Elektrik, Heizung und Trockenbau sind die bestimmenden Gewerke. Kilometerweise Datenleitungen, Stromkabel und palettenweise Gipskarton werden täglich verbaut. Besondere Heiz-/Kühldecken für die lichten Büros sind weitgehend montiert. Tobias Rückerl ist zufrieden „Tolle Arbeitsplätze! Das kann man sich schon sehr gut vorstellen!“

Das Großprojekt neue Kreisverwaltung Steinburg (aktuelle Kostenprognose: rd. 100 Mio €) hat die bauliche Neuaufstellung in der Itzehoer Viktoriastraße zum Ziel. Die Kreispolitik hatte 2019 den Weg für die Erneuerung des Standorts im Quartier gegenüber dem Bahnhof freigemacht. Das Programm: attraktive Arbeitsumgebungen für ca. 600 Mitarbeiter, neue Service-Infrastruktur für Bürgerinnen und Bürger sowie flexible Sitzungsbereiche für den ehrenamtlichen Kreistag und seine Ausschüsse. Das Ganze als Gebäudegroßform unter Einbeziehung zweier Bestandsbauten und denkmalgeschützter Fassaden. Dazu modernste Wärmepumpentechnik mit eigens erschlossener Geothermie und große Photovoltaikflächen auf den Dächern.

Mitte 2022 hatte die Bauphase des ersten Abschnitts begonnen. Nach den fast reibungslos verlaufenden Rohbauarbeiten herrschte jedoch seit Ende 2024 nahezu Stillstand. Grund dafür war die schlechte Leistung eines beteiligten Ingenieurbüros, das für die technische Ausstattung verantwortlich zeichnen sollte – es aber nicht tat. Die Folgen: fehlende und mangelhafte Planung, unzureichende Bauverträge und inkompetente Bauleitung. Technische Gebäudeausstattung (TGA) stellt die für die Nutzung eines Gebäudes notwendige technische Infrastruktur dar: von Heizung und Lüftung über Sanitär- und Lichtanlagen bis hin zu Aufzügen, Datennetzwerken und Kühlung. Grundsätzlich bestehen Abhängigkeiten der am Bau beteiligten Gewerke von Vorleistungen der TGA, so dass ganze Abläufe bei einem Ausfall zusammenbrechen können. So auch hier: z.B. fehlende Angaben zu Anzahl, Art und Verlauf von Elektroleitungen blockierten den Fortgang von Trockenbau-, Putz- und Estricharbeiten und folgender Gewerke.

 

Dem Bauherrn Kreis Steinburg blieb keine Wahl und es kam zur außerordentlichen Kündigung des Planungsbüros – kein Pappenstiel bei öffentlichen Aufträgen, da zur rechtsicheren Trennung von Auftragnehmern hohe Hürden genommen werden müssen. Das war im Frühjahr 2025 und die notwendige Folge war, neue Planungsaufträge vergeben zu müssen - dies wiederum unter den Vorzeichen strenger Regeln des Vergaberechts.

Seit Juni 2025 ist ein neues Planungsbüro an Bord, diesmal eines aus der Region. Seine Aufgabe: die vom Vorgänger hinterlassene Teil-Planung zu sichten, zu beurteilen und ggf. fortzuschreiben oder zu ersetzen. Dies alles unter dem Druck des zuvor entstandenen Zeitverzugs und der Erwartungen des Bauherrn. Während für einige Bereiche schnell Weichen auf „Go“ gestellt werden konnten, ist der Abstimmungs- und Planungsaufwand für komplexere Themen unterschätzt worden. Ressourcen sind so knapp, dass derzeit nach Prioritäten gehandelt werden muss – stets dem Taktgeber Baustelle folgend. Dieses baubegleitende Planen fordert alle Beteiligten über das normale Maß hinaus.

Zusätzliche Erschwernis brachten Ausfälle beauftragter Firmen. Drei Insolvenzen, eine davon im Schlüsselgewerk Trockenbau Ende 2025 galt es zu kompensieren.  Klar ist allen, dass der Weg nur nach vorn zeigen kann. Für den ersten Bauabschnitt ist eine Übergabe im Dezember 2026 und eine Nutzungsaufnahme im ersten Quartal 2027 das definierte Ziel. Wenn dann die Mitarbeiter der Kreisverwaltung ihre neuen Arbeitsplätze einnehmen, machen sie Gebäude im Quartier vor Ort frei die weichen müssen für den zweiten Bauabschnitt. Der wird es nochmals in sich haben: Abbruch bei Erhalt geschützter Fassaden, ein wasserdichtes Parkdeck und die Sanierung des Kulturdenkmals Landratsamt stehen auf dem Programm bis voraussichtlich 2030. Projektleiter Lindner ist sich sicher: „Es wird irgendetwas passieren, das unvorhergesehen ist – so geht Baustelle…!“ 

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