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Glückstadt im Totalen Krieg

When?
Thursday, 22.09.2022
Time:
19:30 Uhr
Where exactly?
Detlefsen-Museum, Am Fleth 43 ,Glückstadt
Category:
Vorträge
Bau Luftschutzgraeben
Source : Detlefsen-Museum

Long description

Vortrag von Dr. Reimer Möller (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) Glückstadt im Totalen Krieg

 

Am 18. Februar 1943 proklamierte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den "Totalen Krieg". Unter dem unmittelbaren Eindruck der Katastrophe von Stalingrad appellierte er in einer frenetischen und von den 3.000 ausgesuchten Anwesenden ekstatisch bejubelten Rede im Berliner Sportpalast an den Durchhaltewillen der deutschen Bevölkerung. Bereits einen Monat zuvor hatte Adolf Hitler die totale Mobilisierung sämtlicher personeller und materieller Ressourcen im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten für den angestrebten "Endsieg" angeordnet. Alle Männer zwischen 16 und 65 sowie Frauen zwischen 17 und 45 Jahren konnten zur Reichsverteidigung herangezogen werden. Mit der Erweiterung der Wehrpflicht ab August 1943 wurden Hitlerjungen unter 18 Jahren direkt aus Wehrertüchtigungslagern in die Wehrmacht eingezogen.

 

Nach den großen Bombenangriffen auf Hamburg im Juli/August 1943 war unsere Region erstmals direkt und massiv von Kriegsauswirkungen betroffen. Jugendliche aus "HJ" und "BdM" empfingen an den Bahnhöfen tausende obdachlose Hamburger und versorgten deren Brandwunden. Schulen wurden geschlossen und als Notaufnahmelager hergerichtet. Glückstadt hatte damals rund 6000 Einwohner und nahm 1400 Hamburger für mehrere Monate auf. Seit Dezember 1944 trafen die ersten Trecks mit Flüchtlingen aus Ostpreußen ein. Sie wurden hier in die großen Bauernhöfe gelegt; Belegungen mit 30-40 Personen waren bis in den Herbst 1945 hinein keine Seltenheit.

 

Ab Anfang 1944 zog man die Untersekundaner der Detlefsen- und Kaiser-Karl-Schulen sowie der Mittelschule in Wilster zum "Hilfsdienst der Jugend bei der Kriegsmarine" heran. Die 15jährigen Jungen mussten auf Sylt, im Kaiser-Wilhelm-Koog, im Neufelder Koog und am Nord-Ostsee-Kanal Flugabwehrkanonen bedienen. Glücklicherweise ist kein Schüler aus unserer Gegend bei diesem Dienst zu Tode gekommen.

 

Nach der Invasion in der Normandie befürchtete man weitere Landungen der Alliierten an der Nordseeküste. Dagegen sollten Befestigungsbauten schützen, die von der Bevölkerung gebaut werden mussten. 1200 HJ-Angehörige aus dem Kreis Steinburg haben wochenlang in einem Lager bei Husum gelebt, um den "Friesenwall" aufzuwerfen. Die sanitären Bedingungen, die Ausrüstung und die Ernährung waren dort so schlecht, dass schwere Krankheiten auftraten.

 

Im Oktober 1944 wurde die "Volkssturmpflicht" verkündet. Alle bis dahin nicht zur Wehrmacht eingezogenen Männer zwischen 16 und 60 Jahren sollten militärisch ausgebildet und organisiert werden. Der "Volkssturm" war vor allem für Bau - und Schanzarbeiten, Sicherungsaufgaben sowie zur Verteidigung von Ortschaften in Heimatgegend vorgesehen. Im Kreis Steinburg sind 12 Volkssturmbataillone mit rund 7000 Mann aufgestellt worden. Die Betroffenen mussten zusätzlich zu ihrer 60-72-stündigen Arbeitswoche zweimal wöchentlich an Volkssturmveranstaltungen teilnehmen. Sie waren z. T. in sehr schlechter körperlicher Verfassung.

 

Die Wehrmacht selbst richtete sich ebenfalls auf den "Endkampf" ein und führte ALRZ-Maßnahmen durch (Auflockerung, Lähmung, Räumung, Zerstörung). Dazu gehörten Vorkehrungen, um die Kaimauern des Glückstädter Hafens und das Neuenbrooker Schöpfwerk zu sprengen. Diese Sprengungen sind glücklicherweise nicht ausgeführt worden. Im März wurde im Gebiet zwischen Glückstadt und Itzehoe die 2. Marine-Infanterie-Division gebildet; ihr gehörten 12993 Matrosen an. Am 7. April1945 trafen sie bei Rethem an der Aller auf die Engländer, erlitten Verluste von 8961 Mann und zogen sich wieder nach Schleswig-Holstein zurück.

 

Am 4. Mai 1945, morgens um 6 Uhr, wurden zwei Matrosen in der ltzehoer Gallwitzkaserne wegen Fahnenflucht erschossen, abends um 6 Uhr fuhren die ersten englischen Soldaten in die Stadt hinein.

Source

Detlefsen-Museum
Am Fleth 43
25348 Glückstadt
Web: detlefsen-museum.de

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