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Ausschreibung von Leistungen zum Kreishausneubau gem. § 51 HOAI - Tragwerksplanung

Ausschreibungsunterlagen

Baumaßnahme: Neubau der Kreisverwaltung Steinburg
in: Itzehoe
Leistung: Tragwerksplanung gem. § 51 HOAI


Bauort: Quartier der Kreisverwaltung in Itzehoe im Bereich
Viktoriastraße, Poststraße, Karlstraße und Bahnhofstraße


Grundaussage / Zielstellung / Umfang


Der Kreis Steinburg beabsichtigt den Standort seiner Verwaltung in einem zentral gelegenen
Quartier in der Kreisstadt Itzehoe weiterzuentwickeln und größtenteils neu zu bebauen.
Dafür sollen Teile eigener und angekaufter Bestandsgebäude abgerissen und ersetzt
werden. Ziel ist die Schaffung eines harmonisch-spannungsreichen Gebäudeensembles aus
Bestands- und Neubauten, Plätzen und Wegebeziehungen, das zeitgemäßen und
zukünftigen Ansprüchen an einen dienstleistungsorientierten und bürgernahen
Verwaltungsstandort genügen soll. Die Neuaufstellung der Kreisverwaltung soll auch ihren
Fortbestand als Institution und sinnstiftenden Kern der Kreisstadt Itzehoe nachhaltig sichern,
letzteres auch durch Schaffung attraktiver Arbeitsstätten. Das vorläufig ermittelte
Investitionsvolumen beträgt rd. 22 Mio € (KG 300+400) für Neubauten mit insgesamt rd.
10.100qm Bruttogrundfläche. Die Fertigstellung ist derzeit für QII-2024 geplant, eine
Beschleunigung der Umsetzung ist wünschenswert.
Leistungsgegenstand dieser Ausschreibung ist die Tragwerksplanung gem. § 51 HOAI für
Neubauten und deren Anschlüsse an vorhandene Gebäude.
Voraussetzungen / Situation
Der aktuelle Standort der Kreisverwaltung in Itzehoe hatte seinen Ausgangspunkt im heute
denkmalgeschützten Landratsamt von 1896, einem Bau der deutschen Neorenaissance.
Zukäufe, Ersatz- und Erweiterungsbauten bis in die 1990er Jahre haben zu heutiger
Ausdehnung der Verwaltungsliegenschaft geführt. Behelfsmäßige Umnutzungen,
kompromisshafte Bauentscheidungen und unzureichende Unterhaltung haben
zwischenzeitlich zu unhaltbaren Zuständen für erhebliche Teile der Mitarbeiter und Bürger
geführt. Neben quantitativen Defiziten bestehen heute auch Störungen des
Verwaltungsbetriebs durch unproduktive Raumbeziehungen und Auslagerungen.
Anforderungen der Arbeitssicherheit, des Brandschutzes, der Barrierefreiheit und der
ressourcenschonenden Bewirtschaftung können nicht hinreichend eingehalten werden.
Vorentwicklung / Leitidee
Seit 1984 sind bauliche Erneuerungen der Kreisverwaltung angestrebt worden, bislang sind
daraus die Neubauten des Bau- und Umweltamtes an der Karlstraße sowie der sogenannte
Hofanbau entstanden. Ein Realisierungswettbewerb 2012 mit dem Ziel, einen Ersatzbau für
zwei gründerzeitliche Altbauten zu schaffen, wurde durch einen Bürgerentscheid 2013 zum
Erhalt dieser Gebäude gestoppt. Nach der 2015 getroffenen Grundsatzentscheidung, den
innerstädtischen Standort weiter zu nutzen und zu stärken, wurde 2016 ein zweistufiger
städtebaulicher Ideenwettbewerb mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. Ergebnis ist
eine als „Leitidee“ bezeichnete Grundfigur, die das Anforderungsprofil an Quantitäten,
Raumbeziehungen, Stadtbildverträglichkeit , Wirtschaftlichkeit und Erweiterbarkeit
transportieren soll. Orientiert an dieser Leitidee sollen Lösungen städtebaulich wie
hochbaulich gefunden werden.

Anforderungen


Stadtraum / Denkmalpflege: Das Quartier zwischen Viktoriastraße, Poststraße, Karlstraße
und Bahnhofstraße liegt am Rand des als Stadtkern geltenden Bereichs und ist von Blockrandbebauung
geprägt. Es ist Teil des Untersuchungsgebietes „Innenstadt Itzehoe“ im
Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Der
prominente Standort gegenüber vom Bahnhof, an einer der wichtigsten Durchgangsstraßen
Itzehoes, an der Zufahrt zum ZOB und am Haupteingang zur Fußgängerzone, stellt höchste
Anforderungen insbesondere an die Fassadengestaltung. Dieses Thema erfordert
besondere Aufmerksamkeit und bedarf gegebenenfalls einer zusätzlichen fachplanerischen
Behandlung.
Die Bauaufgabe erfordert einen Maßstab, der im Gegensatz zur vorhandenen, kleinteilig
gewachsenen Stadtstruktur stehen könnte. Der Entwurf soll hierfür Lösungen finden, die
beide Anforderungen vereinen kann. Die in der Leitidee ausgedrückte teilweise Bebauung
des Blockinnenraums knüpft konzeptionell an den bestehenden Hofanbau an und ermöglicht,
Baumassen an den Rändern zu begrenzen. Vor allem bei der Randbebauung ist in Maßstab,
Baukörpergliederung und Materialität auf die Umgebung Bezug zu nehmen.
Den Kern der Verwaltungsliegenschaften bildet das historische Landratsamt. Das
Kulturdenkmal wirkt identitätsbildend für die Institution Kreis Steinburg, prägt die
Viktoriastraße und ist einer der Ausgangspunkte für die Ausweisung der gesamten Straße
als Ensemble mit besonderem Wert (2016). Nahezu alle geplanten Neubauten befinden sich
im Einzugsbereich und Kontext dieses Denkmals. Für jede Planung gilt damit die Prämisse
der Würdigung der historischen Bausubstanz und seiner Bedeutung. Gefordert ist folglich ein
grundsätzlich bewusster Umgang mit räumlichen Bezügen, Proportionen und Gewichtungen,
Gliederungen der Baukörper, Fassadengliederungen und -materialien, vertikalen und
horizontalen Oberflächenstrukturen und Farben. Eine denkmalschutzrechtliche Zielstellung
mit konkreten Forderungen ist in Vorbereitung. Es wird eine hohe Kooperationsbereitschaft
und enge Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalschutzbehörde erwartet.
Entwurf / Programm: Bauprojekte beeinflussen in einem hohen Maße die Zukunft. Der
Nutzen solcher Projekte darf daher nicht nur mit dem Maß der Gegenwart gemessen
werden, sondern muss auch die Vorausschau auf die Zukunft berücksichtigen.
Entwicklungen wie die zunehmende Digitalisierung (Archivwesen, Telearbeit, Online-
Dienstleistungen…) aber auch begrenzt steuerbare demografische Effekte
(Bevölkerungsabnahme, Immigration…) haben Einfluss auf die Anforderungen an öffentliche
Verwaltungen und zwingen zur Flexibilität. Planungsgegenstand ist die Objektplanung in
Anlehnung an die Leitidee. Rd. 10.100 m² BGF Neubaufläche sind im Quartier im
Einzugsbereich zum Kulturdenkmal „historisches Landratsamt“ zu errichten bzw. dort
anzuschließen. Die Anwendung des Raumprogramms soll sowohl auf die entstehenden
Neubauflächen als auch unter Einbeziehung der weitgehend unveränderlichen
Bestandsgebäude (historisches Landratsamt und Hofanbau) erfolgen. Aufgabe ist, Gebäude
mit hoch flexiblen Raumsystemen zu entwickeln, die verschiedene Szenarien der
Verwaltungsnutzung sowie alternative Nachnutzungen für freiberufliches Gewerbe oder
Wohnen ermöglichen und entsprechende Wandlungsfähigkeit bieten. Modulare Strukturen
(z.B. Achsenraster, Elementierungen, Hohlraumböden) sichern das Potential
unterschiedlicher Grundrissbildungen. Eine an Arbeitsprozessen orientierte
Grundrissgestaltung bildet die Typologie des Kombibüros ab, die grundsätzlich angewendet
werden soll. Ausgehend von Analysen zu Ablauforganisation und Wirtschaftlichkeit soll ein
prinzipieller Mustergrundriss mit einer lichten Tiefe von rd. 14m Grundlage weiterer
Überlegungen sein. Die Verbindung der Neubauten mit den Bestandsgebäuden umfasst
auch zentrale Erschließungsbereiche, die dabei neu zu entwickeln sind.
Entwurfserfolge sind in der Regel multifaktoriell bedingt. Gefordert wird integratives Arbeiten,
also die Einbeziehung sämtlicher Disziplinen und Einflussfaktoren in den Entwurfsprozess. In
allen Phasen des Projektes ist in enger Abstimmung mit den Entscheidungsträgern auf
Bauherrenseite zusammenzuarbeiten.

Technik / Konstruktion

Das Ziel ist die Errichtung zeitgemäßer, wirtschaftlicher und
zukunftssicherer Gebäude. Im Sinne der angestrebten Nutzungsflexibilität sind grundlegend
unveränderliche Bauteile und Konstruktionen von veränderlichen zu unterscheiden.
Eigenschaften einer unveränderlichen Primärstruktur (Aussenwände, Fassaden, Geschossdecken,
Stützen, Treppenhäuser, Schächte für Aufzüge und Haustechnik...) müssen
wirtschaftlich, belastbar und dauerhaft sein. Veränderliche, der jeweiligen Grundrisstypologie
folgende Strukturen (Trennwände, Unterdecken, Hohlraumböden) bilden die
Nutzungsoberflächen und haben Anforderungen an Akustik, Ästhetik, etc. zu erfüllen. Ihre
Veränderlichkeit äußert sich außerdem in leichter Montage und Demontage in Neubau und
späterem Bestand. Es sind bevorzugt (auch innovative) Baukonstruktionen mit
gewerkeübergreifend hohem Vorfertigungsgrad einzusetzen, die geeignet sind Bauzeiten zu
verkürzen und die Ausführungsqualität zu steigern.
Baugrunduntersuchungen belegen die anspruchsvollen Bodenverhältnisse am Standort. Es
ist von Tiefgründungen auszugehen.
Energie: Der Kreis Steinburg ist „Energieeffizienter Kreis“ (dena, 2017) und verfolgt mit
seinen Neubauten entsprechende Ziele. Über die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen
hinaus ist es der Anspruch, ein optimiertes Konzept zur nutzungsgerechten
Beheizung/Belüftung/Beleuchtung zu entwickeln. Es hat zur gewünschten Grundrissflexibilität
Lösungen zu bieten, die gleichermaßen wirtschaftlich in Bau und Betrieb als auch
nachhaltig im Hinblick auf mögliche Erweiterungen oder Reduzierungen der Liegenschaften
sind. Aufgabe ist die Zusammenführung der Anforderungen nach Neubaustandard und
denen der Bestandsbauten.
Baubetrieb: Die Maßnahme Kreishausneubau bedeutet Bauen im Bestand. Ein Konzept zur
störungsarmen Abwicklung der Bautätigkeiten ist in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn zu
erstellen. Ziel ist, die Funktion der Kreisverwaltung jederzeit aufrecht zu erhalten und die
Mitarbeiter nur im absolut unabwendbaren Maß Belastungen aus dem Baubetrieb
auszusetzen. Desgleichen ist umgebende Wohnbebauung vor entsprechenden
Auswirkungen zu schützen.
Öffentlichkeit: Das Projekt erfährt überdurchschnittlich starke und kritische öffentliche Anteilnahme.
Der Bauherr hat daher ein hohes Interesse an einem transparenten Verfahren. Die
im vorgeschalteten städtebaulichen Wettbewerbsverfahren etablierte Praxis der aktiven
Bürgerbeteiligung und -information soll in der Objektplanungsphase fortgeführt werden.
Aufgabe ist es , im Sinne des Projekterfolgs öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zu fördern
und aktiv zu unterstützen.


Verfahren / Ablauf


Das VGV-Verfahren für Objektplanung soll im QIV-2017 mit Erteilung eines Auftrags für die
Leistungsphasen 1-3 gem. § 34 HOAI abgeschlossen werden. Parallel dazu ist die
Ausschreibung für die Tragwerksplanung und weiterer Fachplaner (Stadtplanung,
Technischer Ausbau / Energie, Innenarchitektur, Schalltechnik und Brandschutz,
Barrierefreiheit, Informations- und Leitsysteme, Verkehrsanlagen, Freianlagen) vorgesehen.
Die Entwurfsphase endet mit Vorlage einer HU-Bau voraussichtlich QI-2018. Aufgrund eines
Entwurfs mit Berechnung aller Kostengruppen erfolgen Beratung und Beschlussfassung über
die weitere Umsetzung. Es besteht kein Anspruch auf Beauftragung der LPH 4-6. Der Abruf
dieser LPH erfolgt durch einseitige schriftliche Erklärung des Auftraggebers an den
Auftragnehmer.
Die erforderliche Neuaufstellung des Bebauungsplans startet im Februar 2017 und kann
voraussichtlich Ende 2018 abgeschlossen werden. 

 

 

Bebauung an der Bahnhofstraße - Blick Richtung Norden
Bebauung an der Bahnhofstraße - Blick Richtung Norden
Ostfassade Hofanbau - Blick Richtung Norden
Ostfassade Hofanbau - Blick Richtung Norden
Ostfassade Hofanbau - Blick Richtung Süden
Ostfassade Hofanbau - Blick Richtung Süden
Ostfassade - Übergang historisches Landratsamt zum Hofanbau
Ostfassade - Übergang historisches Landratsamt zum Hofanbau
Parkplatz der Kreisverwaltung mit Blick auf den Hofanbau
Parkplatz der Kreisverwaltung mit Blick auf den Hofanbau
Westfassade Hofanbau - Blick Richtung Süden
Westfassade Hofanbau - Blick Richtung Süden
Westfassade Hofanbau - Blick Richtung Südenv
Westfassade Hofanbau - Blick Richtung Süden
Nord-Ostfassade Bau- und Umweltamt Karlstraße - Blick Richtung Nordwest
Nord-Ostfassade Bau- und Umweltamt Karlstraße - Blick Richtung Nordwest
Nord-Ostfassade Bau- und Umweltamt Karlstraße - Blick Richtung Südost
Nord-Ostfassade Bau- und Umweltamt Karlstraße - Blick Richtung Südost
Eingangssituation Viktoriastraße - Blick Richtung Osten
Eingangssituation Viktoriastraße - Blick Richtung Osten
Historisches Landratsamt und Bollhardt'sches Gebäude an der Viktoriastraße
Historisches Landratsamt und Bollhardt'sches Gebäude an der Viktoriastraße
Süd- und Westfassade ehemaliges Bahnhofshotel
Süd- und Westfassade ehemaliges Bahnhofshotel
Südfassade ehemaliges Bollhardt'sches Gebäude
Südfassade ehemaliges Bollhardt'sches Gebäude
Südfassade historisches Landratsamt - Blick Richtung Westen
Südfassade historisches Landratsamt - Blick Richtung Westen
Südfassade historisches Landratsamt - Blick Richtung Osten
Südfassade historisches Landratsamt - Blick Richtung Osten
Südfassade historisches Landratsamt bewachsen - Blick Richtung Westen
Südfassade historisches Landratsamt bewachsen - Blick Richtung Westen
Südfassade ehemaliges Bahnhofshotel und Bollhardt'sches Gebäude
Südfassade ehemaliges Bahnhofshotel und Bollhardt'sches Gebäude
Viktoriastraße und Südfassade ehemaliges Bahnhofshotel - Blick Richtung Westen
Viktoriastraße und Südfassade ehemaliges Bahnhofshotel - Blick Richtung Westen
Viktoriastraße - Blick Richtung Osten
Viktoriastraße - Blick Richtung Osten
ehemaliges Bahnhofshotel nach 1891
ehemaliges Bahnhofshotel nach 1891
ehemaliges Bahnhofshotel um 1910
ehemaliges Bahnhofshotel um 1910
ehemaliges Bahnhofshotel um 1920 - 1
ehemaliges Bahnhofshotel um 1920 - 1
ehemaliges Bahnhofshotel um 1920 - 2
ehemaliges Bahnhofshotel um 1920 - 2
ehemaliges Bahnhofshotel um 1930
ehemaliges Bahnhofshotel um 1930
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 1
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 1
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 2
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 2
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 3
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 3
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 4
ehemaliges Bahnhofshotel um 1950 - 4

Hinweis:
Sowohl Rückfragen der Bewerber als auch die Antworten der Vergabestelle werden in anonymisierter Form allen Bewerbern auf dieser Seite zur Verfügung gestellt, soweit in den Antworten wichtige Aufklärungen über die geforderte Leistung oder die Grundlagen der Preisermittlung gegeben werden. Die Bewerber sind angehalten, regelmäßig die aktuellen Bewerberinformationen der Vergabestelle einzusehen!
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